Noel Müller

Geboren in der Nähe von Zürich und aufgewachsen mit einer Schwerhörigkeit, habe ich früh gelernt, Herausforderungen anzunehmen und meinen eigenen Weg zu gehen. Was als Kind mit Hörgeräten begann, entwickelte sich über den Leistungssport im Snowboarden zu einer Lebensschule voller Disziplin, Rückschläge und persönlichem Wachstum.

Verletzungen, ein intensiver Alltag zwischen Ausbildung und Spitzensport sowie prägende Erfahrungen im Ausland – von Australien bis nach Südafrika – haben meinen Blick auf die Welt und mich selbst nachhaltig verändert. Dabei habe ich nicht nur neue Kulturen kennengelernt, sondern auch gelernt, Verantwortung zu übernehmen, aus meiner Komfortzone herauszutreten und Chancen in Herausforderungen zu sehen.

Heute verbinde ich meine Erfahrungen aus Sport, Beruf und Reisen, um Menschen zu inspirieren, ihren eigenen Weg zu gehen, Grenzen zu hinterfragen und aus vermeintlichen Schwächen ihre grösste Stärke zu machen.

Let's Work Together
2002
Geboren mit einer Schwerhörigkeit

Am 6. November 2002 wurde ich in der Nähe von Zürich geboren und verbrachte meine ersten Lebensjahre in einem Dorf oberhalb von Küsnacht – gemeinsam mit meinem Bruder und meiner Schwester, die in dieser Zeit ebenfalls zur Welt kamen.

Bereits bei den ersten Routineuntersuchungen wurde festgestellt, dass ich nicht wie erhofft gut hören konnte. Mit etwa zwei Jahren erhielt ich meine ersten Hörgeräte. Die Farbauswahl lag damals bewusst bei meinen Eltern: auffällig und unterschiedlich – rechts rot, links blau. So wussten sie immer genau, welches Gerät zu welchem Ohr gehört.

Für meine Eltern war ich nicht nur ihr erstes Kind – meine Schwerhörigkeit brachte auch viele Unsicherheiten und Fragen mit sich, insbesondere in Bezug auf meine Zukunft und meine Sprachentwicklung. In dieser Situation trafen sie eine prägende Entscheidung: Statt mich ausschliesslich in audiologische Hörtrainings zu schicken, setzten sie auf Logopädie, damit ich das Sprechen gezielt erlernen konnte. Rückblickend war dies eine der besten Entscheidungen.

Doch auch die Akzeptanz, Hörgeräte zu tragen, war ein längerer Prozess. Meine Hörgeräte waren nicht immer dort, wo sie sein sollten – stattdessen „reisten“ sie gelegentlich an Orte wie den Strand, anstatt zuverlässig in meinen Ohren zu bleiben.

2005
Ein Herz aus Boards

Egal ob auf Schnee, Asphalt oder Wasser – Hauptsache ein Board unter den Füssen. Schon als Zweijähriger war ich in den Winterferien fasziniert von den Snowboardern. Mein Vater, selbst leidenschaftlicher Snowboarder, war dabei sicherlich eine prägende Inspiration.

Diese Begeisterung ging so weit, dass ich eine «unachtsame» Minute meiner Eltern nutzte, um es selbst auszuprobieren – auf dem Board meines Vaters. Die Fahrt war zwar nur von kurzer Dauer, denn ein Zweijähriger auf einem 1,60 m langen Snowboard fällt auf. Doch dieser Moment hinterliess Eindruck. Als ich mit etwa fünf Jahren gross genug für mein erstes eigenes Board war, gab es für mich kein Zurück mehr.

Dabei blieb es nicht: Mit fünf Jahren bekam ich mein erstes Skateboard, und mit 13 entdeckte ich zusätzlich das Surfen für mich – drei Elemente, die mich bis heute begleiten.

2014
Snowboarden als Leistungssport

Wenn man mich mit zehn Jahren gefragt hätte, was ich einmal werden möchte, wäre meine Antwort nicht Feuerwehrmann, Arzt oder Polizist gewesen – sondern Snowboardprofi. Das Snowboarden war und ist bis heute meine grosse Leidenschaft.

Schon früh wurde ich entdeckt und erhielt die Möglichkeit, gezielt zu trainieren und deutlich mehr Zeit auf dem Board zu verbringen. Für mich war es ein absoluter Traum: mit meinem Team BASE durch Europa zu reisen, zu trainieren, Wettkämpfe zu bestreiten und das zu tun, was wir lieben – Snowboarden. Gleichzeitig begann, zunächst unbewusst, mein persönlicher Entwicklungsweg. Im Leistungssport entwickelte ich ein starkes Mindset und erlernte wichtige Fähigkeiten wie Ehrgeiz, Zielorientierung, Motivation, Ausdauer und Resilienz, die ich bis heute in meinem Alltag gezielt einsetze.

Meine Zeit im Leistungssport war jedoch auch von Rückschlägen geprägt. Mehrere Verletzungen zwangen mich immer wieder zu wochenlangen Rehabilitationsphasen, in denen ich mich zurückkämpfen musste, um wieder auf das Board zu können. In dieser Zeit setzte ich mich intensiver mit meinem eigenen Körper auseinander, wodurch auch mein Interesse an physiologischen und medizinischen Themen stetig wuchs. Diese Erfahrungen prägten meine Berufswahl nachhaltig und führten zu meinem nächsten langfristigen Ziel: Physiotherapeut zu werden.

Dementsprechend ging ich meine Berufswahl nicht primär mit der Frage an, was ich mir langfristig vorstellen kann, sondern vielmehr mit dem Fokus darauf, welchen Weg ich einschlagen muss, um dieses Ziel zu erreichen.

2019
Die Berufsausbildung zum FAGE

Somit fiel meine Berufswahl auf die Ausbildung zum Fachmann Gesundheit EFZ – für mich jedoch eher als Mittel zum Zweck und nicht als langfristige Karriereentscheidung. Nach meiner obligatorischen Schulzeit absolvierte ich die Ausbildung parallel zum Leistungssport. Mein Alltag war entsprechend intensiv: Tagsüber Schule oder Arbeit, am Abend sowie an einzelnen Wochentagen und Wochenenden Trainingseinheiten auf und neben dem Schnee oder Wettkämpfe.

Weniger als sechs Monate später stellte die weltweite Pandemie COVID-19 die ganze Welt auf den Kopf. Für mich bedeutete dies eine Ausbildung in einem Gesundheitssystem, das stark gefordert war. Diese Belastung war auch als Auszubildender deutlich spürbar. Gleichzeitig konnte ich erstmals Fähigkeiten, die ich mir als Athlet angeeignet hatte – Disziplin, Ehrgeiz, Motivation und den Umgang mit Stress – ausserhalb des Sports gezielt einsetzen. Zudem lernte ich, mit unerwarteten Veränderungen umzugehen und mich neuen Situationen anzupassen.

Mit dem Abschluss meiner Ausbildung, den ich als einer der Besten im ganzen Kanton erreichte, traf ich zugleich eine der schwierigsten Entscheidungen meines Lebens: Nach mehreren Verletzungen, darunter wiederholte Gehirnerschütterungen und Schädel-Hirn-Traumata, entschied ich mich, vom Leistungssport zurückzutreten.

Gleichzeitig war es aber auch eine der besten Entscheidungen meines Lebens – denn ich beschloss, eine Reise nach Australien zu unternehmen und damit ein neues Kapitel zu beginnen.

2023
Auszeit in Australien

Nach meinem erfolgreichen Abschluss arbeitete ich zunächst rund vier Monate als Fachmann Gesundheit EFZ. Anfang Januar reiste ich anschliessend mit einem Work-and-Travel-Visum nach Australien, wo ich insgesamt sieben Monate verbrachte. Diese Zeit ermöglichte es mir, das Land nicht nur zu bereisen, sondern auch aktiv darin zu arbeiten und so „Down Under“ aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen.

Während meines Aufenthalts nahm ich verschiedene Gelegenheitsjobs an. Unter anderem arbeitete ich als Bar Assistant in einem der grössten Nachtclubs von Perth und war mehrere Wochen als Volunteer auf Farmen tätig – darunter auch auf einer Farm im australischen Outback. Dort konnte ich täglich Neues lernen und mich immer wieder bewusst aus meiner Komfortzone herausbewegen.

Diese Erfahrungen weckten in mir eine weitere grosse Leidenschaft: das Reisen. Bereits bei meiner Abreise war mir klar, dass ich noch viele weitere Länder, Kulturen und Menschen kennenlernen möchte.

Nach meiner Rückkehr in die Schweiz begann ich die Berufsmatura und erhielt gleichzeitig die Möglichkeit, als Snowboardcoach in ein Kader einzusteigen. Schon nach kurzer Zeit übernahm ich zusätzlich die Disziplinenverantwortung, die ich während zwei Saisons ausübte. In dieser Rolle durfte ich Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren auf ihrem Weg an die Spitze begleiten und unterstützen.

2024
Township Experience in CapeTown

Während meines ersten Jahres in der Berufsmatura und meiner Tätigkeit als Snowboardcoach wurde mir schnell klar, dass ich den Sommer nicht einfach nur verreisend verbringen wollte. Wie bereits zuvor in Australien war es mir wichtig, ein Land nicht nur aus touristischer Perspektive kennenzulernen. Deshalb entschied ich mich, nach Südafrika zu reisen und mich dort als Volunteer bei einer Non-Profit-Organisation zu engagieren.

Während eines Monats absolvierte ich ein Surf- und Adventure-Programm und arbeitete in einer Township nördlich von Kapstadt. Am Morgen war ich als Aushilfslehrer tätig, während ich am Nachmittag gemeinsam mit einem Team ein Sportprogramm organisierte. Dabei konnten die Kinder durch Aktivitäten wie Schwimmen, Surfen oder Skaten grundlegende Fähigkeiten entwickeln, die ihnen helfen sollen, langfristig ihren eigenen Lebensweg zu gestalten und Perspektiven abseits von Kriminalität, Gewalt und Armut zu finden.

Diese intensive und prägende Erfahrung eröffnete mir eine völlig neue Sichtweise. Anschliessend kehrte ich in mein zweites Jahr als Coach zurück und stellte fest, dass ich mich zunehmend auch für organisatorische und administrative Aufgaben interessierte. Besonders die Bereiche Social-Media-Marketing und Eventmanagement faszinierten mich immer mehr, sodass für mich klar wurde, mein Studium in diese Richtung auszurichten.

2025
Neue Erfahrungen und Studiumstart

Ein Jahr später schloss ich die Berufsmatura ab und erhielt für die Zeit bis zum Studienbeginn ein Praktikum im Bereich Marketing bei der Impact Acoustic AG, einem 2019 gegründeten Unternehmen aus Luzern, das heute rund 190 Mitarbeitende weltweit beschäftigt und für seine zukunftsorientierten, innovativen, designorientierten und nachhaltigen Akustiklösungen bekannt ist.

Während dieser acht Monate durfte ich ein eigenes Projekt leiten und eine umfassende Recherche durchführen, die später in einem Artikel der Neue Zürcher Zeitung aufgegriffen wurde.

Im September desselben Jahres konnte ich schliesslich mein Studium beginnen – ein weiterer grosser Schritt in meiner Karriere. In dieser Zeit wurde mir auch bewusst, dass ich als ehemaliger Leistungssportler und insbesondere als schwerhörige Person Menschen inspirieren und zugleich aufklären kann. Daraus entstand die Idee, selbst als Speaker aufzutreten und Menschen – ob einzeln oder vor grösserem Publikum – dazu zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen und ihre vermeintlichen Schwächen als Stärken zu erkennen. Denn jede Herausforderung birgt auch eine Chance.

Heute arbeite ich als Barista und im Verkauf in einem Zürcher Café, begleite im Winter an einigen Wochenenden Snowboardwettkämpfe als Technischer Delegierter und trete gelegentlich als Speaker auf.

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